
Neulich erwischte er mich kalt, als ich an der Übersetzung des Veterinärmedizinischen Applikationskatalogs der Thermografie ins Englische tüftelte:
Martin Grell ruft an: „Weißt du schon das Neuste? – Wir fahren nach Malaysia und wollen eine Medaille!“
„Wer, wir?!“, frage ich erschrocken.
„Wir, die Deutschen. Die deutschen Distanzreiter. Und wir wollen mindestens Mannschaftsbronze.“
„Du auch?“, frage ich verwirrt.
„Nein“, sagt er, „ich bin ja der von den Griechen. Aber ihr.“
„Ach“, sage ich noch verwirrter, „aber da wollten wir doch nicht hin. Wegen des Tierschutzes und wegen des Klimas und weil wir dort sowieso nichts besehen können.“
Martin Grell legt eine Schweigepause ein. „Möglicherweise ist es mit dem Klimawandel schneller gegangen, als ich dachte“, sinniert er dann. „Oder ihr nehmt Tokio Hotel mit und lasst sie die ganze Zeit Durch den Monsun singen.“
„Aber das ist doch erst recht gegen den Tierschutz!“, insistiere ich.
„Möglicherweise hat sich da etwas geändert, aber ich bin noch nicht im Bilde.“
„Wie verbinden denn die anderen Reitsportdisziplinen den Tierschutzgedanken mit der Reise nach Fernost?“, frage ich den Fachmann.
„Wie man hört“, erklärt er vernünftig. „werden die Tiere erst eine Woche vor dem Start ausgeflogen und ständig in klimatisierten Räumen untergebracht. Auch die Wettkämpfe finden in klimatisierten Hallen statt.“
„Dann haben wir damit also kein Problem?“, frage ich, schon beinahe erleichtert.
„Nein“, versichert mir Martin Grell, „vermutlich wird der Distanzritt über 160 Kilometer voll klimatisierter Strecke ausgetragen.“
„Aber wie steht es mit den Chancen?“, greife ich meinen letzten Kritikpunkt auf, den er immer noch nicht beiseite räumen konnte. „Die Deutschen waren ja nicht einmal beim Proberitt!“
„Wie denn auch!“, sagt er beinahe empört. „Bei dem Klima, da hättet ihr doch keine Chance gehabt!“
| letzte Aktualisierung 1. Juli 2010 | Martin Grell ruft an! | vom 9. August 2009 |