Neues Verfahren zum Dopingnachweis kurz vor der Patentierung

Im Thermografie Institut Berlin wurde ein neues Verfahren zum Nachweis aufgetragener, dopingrelevanter Substanzen im Pferdesport entwickelt, das nicht allein auf Thermografie basiert, sondern auf einem innovativen Einsatz der optischen Spektroskopie. Ein Gespräch mit dem Erfinder Thomas Zimmermann.

Frage: Herr Zimmermann, zum Zeitpunkt unseres letzten Interviews im September 2008 hatten Sie der FN nach dem Doping-Desaster von Hongkong angeboten, Ihr Verfahren zur thermografischen Dopingkontrolle in Warendorf erneut vorzustellen. Welche Reaktionen gab es darauf seitens der FN?

TZ: Keine.

Frage: Man hat Ihnen eine Absage erteilt?

TZ: Man hat mich ignoriert.

Frage: Aber die FEI hat doch bereits 2007 ein Verfahrensprotokoll für den Einsatz von Thermografie für Doping-Prävention herausgegeben?

TZ: Richtig, Sie können das „Hypersensitisation–Prototocol for thermography for thermographic and clinical examinations during CSIs/CSIOs“ auf der Homepage der FEI nachlesen, wenn Sie wollen.

Frage: Wie geht die FN damit um?

TZ: Die FN hat auf ihrem Kongress in Nürnberg im Mai dieses Jahres verkündet, dass sie die Thermografie nicht für Doping-Kontrollen heranziehen werde.

Frage: Mit welcher Begründung?

TZ: Mit der Begründung, dass das Verfahren nicht gesichert sei.

Frage: Sie behaupten doch aber, das gesicherte Verfahren seit 2006 in der Schublade zu haben.

TZ: Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache.

Frage: Wie erklären Sie sich die Ignoranz der FN?

TZ: Dafür gibt es eigentlich nur eine mögliche Begründung: Man will dieses Verfahren nicht haben, weil die Aufschlüsse, die es geben würde, unangenehm sein könnten. Wenn allerdings ein Ludger Beerbaum mittlerweile gesteht, dass er in der Vergangenheit die Haltung gehabt habe: „Erlaubt ist, was nicht gefunden wird“, dann frage ich mich, wie viel Schaden dem Spitzensport noch zugefügt werden muss, bevor die Funktionäre wach werden.

Frage: Werden Sie die Weiterentwicklung des Verfahrens nun einstellen?

TZ: Ganz im Gegenteil! Wir haben das rein thermografische Verfahren inzwischen aufgeweitet zu einem Verfahren der optischen Spektroskopie.

Frage: Wie unterscheidet sich das neue Verfahren von der Thermografie?

TZ: Es handelt sich um eine Kopplung von mehreren bildgebenden Verfahren. Dabei werden drei Kameras in ein Auswertungssystem integriert, nämlich eine Infrarot-Thermografiekamera, eine Ultraviolett-UV/VIS-Kamera und eine Videokamera. So kann der Spektralbereich von <100nm bis 14µm vollständig detektiert und abgebildet werden, die visuelle Kamera dient zusätzlich als integriertes Kontrollverfahren.

Frage: Worin liegt der Vorteil gegenüber der reinen Thermografie?

TZ: Wir können jetzt nicht nur anhand der veränderten Dichteverhältnisse der Haut - die sich thermografisch nachweisen lassen - feststellen, sondern auch anhand präparatspezifischer spektraler reflektiver Eigenschaften unter Verwendung eines handelsüblichen UV-Leuchtmittels diese Substanzen sichtbar machen, identifizieren und zuordnen.

Frage: Mit anderen Worten, Sie sind jetzt auch in der Lage, eine verbotene aufgetragene Substanz zu bestimmen?

TZ: Ja. Da Verfahren wurde mittlerweile unter der Bezeichnung „IR/UV/VIS-Spektralphotometrie - Nachweis aufgetragener Substanzen zur Detektion von dopingrelevanten Stoffen im Pferdesport“ zum Patent angemeldet.

Frage: Wie viele Pferde könnten Sie mit dieser Technik auf einem Turnier durchmessen?

TZ: Alle, das Verfahren ist über eine Software komplett automatisiert

Frage: Wann wird das neue Verfahren im Wettkampf einsatzfähig sein?

TZ: Spätestens zum Ende des Jahres.

Frage: Werden Sie erneut auf die FN zugehen?

TZ: Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die FN auf uns zukommt. Allerdings möchte ich an dieser Stelle den ehrenamtlichen Vorsitzenden der Nada zitieren, der bezüglich der FN bereits konstatierte: „Von Partnern, die den Kampf gegen Doping glaubwürdig mit uns führen wollen, erwarten wir mehr Transparenz.“

ML: Können Sie sich vorstellen, die Umsetzung des Verfahrens auch mit anderen Partnern zu realisieren?

TZ: Es gibt zum Glück genügend Turnierveranstalter, die uns in dem Bemühen um einen sauberen Sport bereits von sich aus engagieren, ohne Verpflichtung durch die FN. Und bei den Deutschen Meisterschaften im Distanzreiten im Juni dieses Jahres werden als Pilotprojekt erstmals alle Starter einer obligatorischen thermografischen Dopingkontrolle unterzogen. Das Schöne ist ja - die merken das gar nicht, das können wir im „Vorbeitraben“ machen. Zudem ist das neue Verfahren auch in der Humanmedizin anwendbar. Ohne die Scheuklappen der FN stehen uns da viele Wege offen.

Das Gespräch führte Miriam Lewin.

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letzte Aktualisierung 2. Juli 2011 mail Martin Grell ruft an! ring vom 9. August 2009