Karen's Musings & Endurance Ride Stuff - Blog von Karen Chaton
Vorbemerkung
Übersetzt heißt der Titel so viel wie "Karens Grübeleien und Distanzreitkram". Es ist der Blog der erfolgreichen US-amerikanischen Distanzreiterin Karen Chaton, die darin einige interessante Beiträge veröffentlicht hat, unter anderem den zur "Langlebigkeit des Distanzpferdes", der hier mit Karens freundlicher Genehmigung in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird. (Vielleicht gelingt es mir ja auch noch, ein paar passende Fotos herbeizuschaffen; einstweilen müssen wir zur Auflockerung mit ein paar Impressionen vorlieb nehmen, die Heidi Bernsdorff bei den WEG in Kentucky aufgenommen hat.)
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Über Karen Chaton
Hi und willkommen auf meinem Blog und meiner Homepage! Für diejenigen, die mich nicht kennen: Ich bin Distanzreiterin und lebe im Norden von Nevada in der West-Region des AERC. Momentan reite ich Granite Chef, der in seinem Leben über 10.500 Meilen absolviert hat und das seit der Saison 2005 unbeschlagen oder (barfuß) in Hufschuhen! Er hat zweimal die Nationale AERC-Meilen-Meisterschaft gewonnen. Weaver und Rocky sind beide Rentner – oder so halbwegs – mit jeweils 6.300 beziehungsweise 7.600 Meilen, und ich habe fast schon 27.000 Meilen erreicht.
In den letzten beiden Jahren bin ich außerdem mit einem zweiten Pferd gestartet. Ich hatte wirklich Glück, Pro Bono (genannt „Bo“) von Kenny Redente zu bekommen. Er hatte einen großartigen Start auf Mehrtagesritten, die ich sehr schonend angegangen bin. Es macht Spaß ihn zu reiten, und ich freue mich wirklich, mit Bo und Chief in der kommenden Saison zu starten. Sie sind ein tolles Team!
Auch bei meinen anderen Interessen geht es darum, mit meinem Mann und den Hunden möglichst viel draußen zu sein. Ich liebe das Distanzreiten, weil ich Freude am Reisen habe, neue Gegenden kennenzulernen und die phantastischen Landschaften hier. Ich campe auch gern mit all meinen Freunden und liebe das Abenteuer, das mit unserem Sport verbunden ist.
Langlebigkeit des Distanzpferdes

Ich wollte euch teilhaben lassen an einem Beitrag, den Mika Maul im AERC-Forum veröffentlicht hat. Er hat mit der Langlebigkeit von Distanzpferden zu tun. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Wenn man viel reitet, muss man sich an irgendeinem Punkt die Frage stellen, was man eigentlich will. Was soll das einem bringen? Was ist der Sinn?
Für mich ist es mehr die Reise … sich die Zeit zu nehmen, Landschaften zu sehen und es richtig zu machen. – Gemessen an der direkten Genugtuung, da rauszureiten und zu siegen oder einen Konditionspreis zu gewinnen. Ich habe sowohl das eine als auch das andere getan. Heute meinen alle, ich würde langsam reiten, und das stimmt, da ich jetzt eine sehr vorsichtige Reiterin geworden bin. Ich habe gelernt, dass meine Pferde gesund bleiben, wenn ich sie schonend mit einer Geschwindigkeit von unter 10 mph (ca. 16 km/h) reite.
Das klingt so einfach. Ist es aber nicht. Es braucht eine ganze Menge Entschlossenheit, um ein Pferd die ganze Zeit über kontrolliert zu reiten. Es ist um vieles leichter, ein Pferd einfach gehen zu lassen, statt es zurückzuhalten und ruhig zu reiten. Warum 16 km/h? Das scheint eine magische Größe zu sein. Wenn ich meine Pferde im Gelände konstant mit 16 km/h oder langsamer bewege, haben sie weniger Probleme. Weniger Probleme zu haben, ist wichtig. Es heißt nämlich, dass ich weniger Tierarztrechnungen habe, weil wir nicht ständig nach Problemen suchen und sie dann behandeln müssen (wie die meisten Leute, die schneller reiten). Ich muss auch nicht viele Ritte auslassen, weil ich beinahe immer ein Pferd zum Reiten habe. Wenn ich zu einem Ritt nicht fahre, dann meistens aus anderen Gründen, aber nicht wegen eines Pferdes.
Ich habe diverse Ritte gewonnen, habe überall bei Mehrtagesritten gesiegt, überall Konditionspreise bekommen, habe nationale Konditionspreise gewonnen und das regionale (West-) Championat. In einem Jahr war ich mit Rocky unter den Top Ten (oder eher wohl Top Five), als ich wir beide 19 Ritte in unserer Region gewonnen haben. Doch schließlich bin ich zu der Einsicht gelangt, dass das das Dümmste war, was ich je getan hatte. Ja, was? Wen interessiert’s? Wer weiß das noch? Jetzt bin ich zu der Überzeugung gelangt: Wenn ich ein Pferd gefunden habe, das ich gerne reite, dann verkürze ich seine Karriere nur, indem ich es schnell reite.
Vor Jahren hat Dave Rabe mal zu mir so etwas gesagt wie: Wenn er sein geliebtes Pferd Port schonender geritten hätte, dann hätte er es länger reiten können und dass noch so viele Siege das niemals aufwiegen können. Wir alle können den Nachgeschmack genießen – und für mich hat der Geschmack des Sieges irgendwie mehr mit Langlebigkeit zu tun als mit Rennen oder schnellem Reiten. Meine Pferde sind immer noch auf der langen Strecke unterwegs, und zwar so, dass sie nur minimal verschleißen. Wir sind glücklich genug, Erfolg zu haben, Landschaften zu erfahren und jeden Augenblick zu genießen. Dabei will ich mich überhaupt nicht von jenen abkehren, die schnell reiten – nur zu sehr habe ich jeden Moment jener Ritte genossen, als ich noch schnell unterwegs und vor dem übrigen Feld im Ziel war!
Die Zahlen steigen mit der Laufleistung. Ich denke, ich kann von Glück sagen, einige gute Pferde gehabt zu haben. Mein erstes Distanzpferd, Dream Weaver, hat fast 6.300 Meilen geschafft. Mein zweites Pferd Rocky hat es auf 7.600 Meilen gebracht. Mein drittes Pferd – Granite Chief hat 10.700 Meilen geschafft und läuft immer noch. Ich habe viel gelernt.
Es hat sich herausgestellt, dass Chief von der Kilometerleistung her momentan das zehntbeste AERC-Pferd ist und der fünftbeste Araber.

Das stammt von Mike Maul:
Die Pferde mit hoher Kilometerleistung, die ich in den vergangenen Jahren dokumentiert habe, stehen für ein Element unseres Sports, das ich für eines der wichtigsten halte – über viele Jahre auf der langen Strecke gesund zu bleiben. Es folgen ein paar Fakten dazu:
28.294 Pferde sind beim Meilen-Programm des AERC registriert. 530 von ihnen haben bisher keine Laufleistungen nachweisen können, 1 von 53,4 Pferden ist niemals gestartet oder konnte bisher keinen Ritt in der Wertung beenden.
9.804 Pferde haben Endurance-Meilen, aber keine Limited-Distance-Meilen - 1 von 2,88 Pferden. (Anm. d. Übers.: Endurance-Meilen werden für Ritte ab 36 Meilen vergeben, Limited Distanz-Meilen für Ritte zwischen 25 bis 35 Meilen. Das entspricht etwa einer Wertung wie LDR+MDR („Endurance“) und ER+KDR („Limited Distance“).
7.270 Pferde haben Limited-Distance-Meilen, aber keine Endurance-Meilen – 1 von 4 Pferden.
11.220 Pferde haben sowohl Endurance als auch LD-Meilen – 1 von 2,5 Pferden.
Bei Pferden, die Endurance-Meilen haben (20.494), lassen sich die Ergebnisse aus der Tabelle (s.u.) entnehmen. Die Tabelle zeigt uns, dass es beispielsweise in der Kategorie 3.000 und mehr Meilen nur 847 Pferde gibt, die mit dieser Leistung in den AERC-Aufzeichnungen vermerkt sind. Das heißt, dass eines von 25 Pferden (oder 4 %) diese Laufleistung erreicht. Nur 213 Pferde (bzw. 1 von 200 = 0,5 %) sind über 5.000 Meilen gelaufen.
Hinter diesen Zahlen verbergen sich einige wirklich verblüffende Leistungen.
| >6,000 |
>7,000 |
>8,000 |
>9,000 |
>10,000 |
>15,000 |
>20,000 |
| 103 (1 von 200 Pferden) |
58 (1 von 353 Pferden) |
38 (1 von 540 Pferden) |
26 (1 von 790 Pferden) |
16 (1 v 1.300 Pferden) |
4 (1 von 5.100 Pferden) |
1 (1 von 20.000 Pferden) |
Meine Langlebigkeits-Liste
Als ich meinen Beitrag zur Langlebigkeit von Distanzpferden veröffentlicht hatte, fragte mich ein Freund: „Karen, du hast ganz sicher WUNDERBARE Pferde – was aber hast du während all der Jahre für Lehren gezogen, die dir geholfen haben, diese Leistung zu erreichen? Ich selbst weiß es wahrscheinlich, aber ich würde gern noch einmal aus deinem Munde hören, was deiner Meinung nach die fünf wichtigsten Dinge sind, die ein Distanzpferd auf lange Jahre gesund erhalten können.“
Hier nun meine Liste. Sie ist ein bisschen ungeordnet, weil ich sie einfach nur so runtergeschrieben habe. Vielleicht fällt mir später noch mehr dazu ein.

- Fangen wir mit dem Pferd an. Distanzpferde gibt es in allen Größen, Formen, Farben und Rassen. Bislang habe ich noch nie eine Ankaufsuntersuchung bei einem Pferd durchführen lassen. Ich habe Pferde ziemlich teure Ankaufsuntersuchungen bestehen sehen, die nie gelaufen sind, oder – wie in meinem Fall – Pferde höchst erfolgreich laufen sehen, die durch keine Ankaufsuntersuchung gekommen sind. Wonach ich Ausschau halte, sind Schwachpunkte, die ich bei meinen früheren Pferden festgestellt habe. Nehmen wir Chief. Da fange ich bei seinen Beinen an. Gute Hufe sind wirklich wichtig. Ein schön geformter, gesunder Huf deutet auf ein gewisses Leistungsvermögen des Pferdes hin oder zeigt zumindest, dass es keine Fehlstellungen hat, die sich nicht verwachsen können. Ein gesunder Huf lässt auch auf den gesamten Gesundheitszustand des Pferdes schließen. Weite, Proportion, Bockhuf, flacher Huf, Hornringe sind alles Dinge, die Auskunft geben über das Pferd oder seine Haltung. Von den Hufen arbeiten wir uns an den Beinen empor. – Ich mag schöne, gerade Beine (keine zehenenge Stellung zum Beispiel) mit einem gewissen Knochenanteil (Röhrbeinumfang), der der Größe des Pferdes proportional angemessen ist. Nachdem Weaver einmal Arthritis im Sprunggelenk hatte, möchte ich kein kuhhessiges Pferd mehr. Aber dann muss ich auch sagen, dass Rocky die schlimmsten Hufe von allen Pferden, die ich je besessen habe, hatte – und er ist damit, verdammt noch mal, 7.600 Meilen gelaufen und hat meistens gewonnen und von all meinen Pferde die meisten BCs geholt. Also ist es manchmal besser, sich das ganze Pferd anzusehen. Mir gefiel, dass Chief einen kurzen Rücke hatte und ich bin davon überzeugt, dass er sich genau deshalb in den Bergen mit dieser Steinbockartigen Geschicklichkeit bewegt. Ein anderer wichtiger Punkt ist das Temperament – und das Auge des Pferdes. Wenn es ein gutes, freundliches Auge hat, ist das eine feine Sache. Wahrscheinlich vergötterte ich meine Pferde deshalb so sehr, weil sie so sensibel sind, und das sieht man einfach, indem man ihnen in die Augen schaut.
- Grundausbildung und Bodenarbeit. (LEST DAS!) Mit Pferden zu reisen und sie in allen möglichen Situationen und in unterschiedlichem Gelände zu reiten, führt zu jeder Menge Gelegenheiten, etwas falsch zu machen. Wenn man sich bei der Ausbildung etwas Mühe gibt, können jedoch viele grundlegende Untugenden vermieden werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Pferd nicht in die Öffentlichkeit kommen sollte, bevor es nicht das absolviert hat, was ich Basis-Training nennen möchte, und was nichts zu tun hat mit Konditionstraining oder Ausbildung unterm Sattel. Sachen wie Hobbeln oder ein Pferd von vornherein so zu erziehen, dass es nachts nicht abhaut, wie auch immer es auf dem Ritt oder während des Transports untergebracht ist. Ein Pferd, das das nicht in Panik gerät und ausflippt, wenn es sich im Camp oder im Gelände mal irgendwo verheddert hat, ist wirklich wichtig. Probleme, Unfälle und Verletzungen zu vermeiden, ist wesentlich einfacher, als sie hinterher zu behandeln oder lösen zu wollen.
- Lasst es die ersten Jahre über ruhig angehen und reitet schonend. Ich erinnere mich an die ersten Ritt-Saisons mit Chief. Ich habe ihn im Gelände wirklich wie ein rohes Ei behandelt. An steilen Hängen bin ich abgesessen und hab ihn geführt. Ich bin viel gelaufen. Hab ihn unterwegs grasen lassen. Wir haben uns Zeit genommen, und ich habe eine wirklich gute Basis für ihn geschaffen. Ich mag es, wenn meine Pferde beim ersten Start etwas älter sind. Chief war bei seinem ersten Ritt sieben und Bo auch. Mit einem GPS reiten zu können, ist von unschätzbarem Wert, und jetzt, da ich erfahrener bin, denke ich, sagt es mir mehr als ein Pulsmessgerät. Am schwersten ist es mir gefallen, zu lernen, ein gleichmäßiges Tempo zu reiten. Das ist wirklich eine Kunst, die zu entwickeln es Zeit braucht. Ohne das GPS würde ich wahrscheinlich immer noch reiten wie ein Jojo (schnell, langsam, grundsätzlich ungleichmäßig). Pulsmessgeräte sind nützlich und praktisch, vor allem, um ein Pferd kennen zu lernen. Chief und Bo haben ihre Distanz-Karrieren beide auf Mehrtagesritten begonnen. Ich glaube, Mehrtagesritte sind eine gute Gelegenheit, um mit einem neuen Pferd anzufangen. Ich glaube nicht, dass ich einem jungen Pferd Limited Rides (= kurze Ritte) antun möchte, das gilt auch für 50-Meiler, die oft riesige Starterfelder haben. Neue Pferde sind am besten aufgehoben in ruhigen, besonnenen, entspannten Start- und Camp-Situationen. Größtenteils sind Reiter und Pferde, die an Mehrtagesritten teilnehmen, auch erfahrener. Ich glaube Limited Rides sind eine tolle Möglichkeit für Reiter, die einmal in den Sport reinschnuppern wollen. Das gilt meiner Meinung nach jedoch nicht für neue Pferde, wenn sie von einem erfahrenen Reiter vorgestellt werden. Ich möchte, dass meine Pferde lange genug draußen im Gelände sind, um alles in sich aufnehmen zu können. Es ist viel einfacher, einem Pferd gleichmäßiges Tempo beizubringen, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes den ganzen Tag unterwegs ist. Ich habe gemerkt, dass bei langen oder Mehrtagesritten im Kopf meiner Pferde wirklich diese mentale „Gib-acht-auf-dich-selbst“-Einstellung ausgelöst wird. Man wird Chief auf einem Ritt kaum an einer Wasserstelle vorbeilaufen sehen, auch wenn es Wasser im Überfluss gibt. Dass er bei seinem ersten Ritt eine lange Strecke ohne Wasser laufen musste, war eine Lektion, die er nicht vergessen hat! Ich habe vorher schon erwähnt, dass ich im Trab nicht über 16 km/h reite. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit ist noch viel geringer. Sie verringert sich, wenn man einrechnet, dass man unterwegs anhalten muss zum Essen, Trinken, Wasserlassen, Tore-Öffnen etc. Eine weitere wichtige Lektion, die ich gelernt habe, ist immer auf das Geläuf zu achten. Man sollte es vermeiden, auf sehr hartem Boden, Pflaster, Fels oder im tiefen Sand zu traben. Versucht schöne Feld- und Waldwege am Rand zu finden, wann immer es geht. Nach einer Weile wird euer Pferd von sich aus das bessere Geläuf suchen. Das verringert den Verschleiß des ganzen Pferdes, besonders der unteren Gliedmaßen und Gelenke.
- Huf- und Gesundheitspflege. Meine Pferde leben auf 24x7 m großen Paddocks und werden täglich bewegt. Sie bekommen gutes Futter, Hufe und Zähne wie auch andere gesundheitliche Notwendigkeiten werden regelmäßig behandelt. Sie bekommen einmal monatlich eine Glucosamine-Infusion, und Chief hat neulich Adequan und Legend (Anm. d. Übers.: In Deutschland im Wettkampf verbotene Substanzen.) bekommen. Ich habe vor kurzem über mein Stallmanagement geschrieben, bezüglich Futter, Auslauf, Hufpflege, Impfungen, Wurmkuren etc. Ich glaube, es hat seine Vorzüge, dass meine Pferde barfuß gehen, was zum größten Teil mir, der Besitzerin, zu danken ist – die immer dazugelernt hat, was Haltung und Management generell angeht. Ich habe, zugegebener maßen, aber auch Glück, dass meine Pferde so gesund sind und ohne Beschlag genauso gut klarkommen wie mit. Denjenigen, die immer noch beschlagen lassen, empfehle ich Beschläge aus moderneren Materialien wie Kunststoff. Wenn es dennoch Metallbeschläge sein müssen, sollte man einfach Easyboots darüber ziehen, das hilft sehr dabei, Stöße zu absorbieren. Immer geht es darum, Verschließ zu vermeiden, Erschütterungen abzufedern etc.
- Ruhephasen und Pausen. Es ist wichtig, den Pferden dann und wann Pausen zu geben, besonders nach schweren Wettkampfphasen und anstrengenden Transporten zu Wettkämpfen. Wenn irgendetwas nicht in Ordnung war, verdoppele ich normalerweise die empfohlene Aus-Zeit, um auf der sicheren Seite zu sein. Lieber bin ich vorsichtig, wenn ich mich festlege, welches Pferd ich reite und über wie viele Tage. Wenn ich den Eindruck habe, es stimmt etwas nicht, werde ich das Pferd nicht reiten. Das habe ich in der Vergangenheit gezeigt. Zum Beispiel hatte ich den DVE-Ritt (Death Valley Encounter, Kalifornien) eigentlich 2 Tage lang mit Chief und 2 Tage lang mit Bo geplant. Ich habe Chief am ersten Tag geritten, und seine Hufe wurden fühlig auf dem steinigen Geläuf. Es war nur einen Monat nach seiner Augenlid-Operation, und seine Hufe waren einfach nicht an harten Boden gewöhnt. Obwohl ich Chief am nächsten Tag noch hätte reiten können, tat ich es nicht, und habe mich für Bo entschieden. Im Endergebnis: 3 Tage Bo, 1 Tag Chief. Beim Strawberry Fields Ride hab ich Bo in ziemlicher Höhe geritten, um mit Howard die Strecke zu markieren, und wir mussten durch viel tiefen Schnee und Matsch. Wieder im Camp habe ich Bo aus den Augenwinkeln ein paar kurze Tritte traben sehen. Er schien taktrein zu laufen! Jedoch hat mir eine kleine innere Stimme gesagt, dass ich ihn bei diesem Ritt nicht einsetzen sollte. Also habe ich alle 4 Tage lang Chief geritten – was sich als sehr gut herausgestellt hat, denn Chief konnte auf diesem Ritt seine 10.000 Meilen voll machen. Und, auch dass ich Bo nicht geritten und ihm eine Pause gegönnt habe, hat sich als gut erwiesen, denn so konnte ich ihnmit zum Tevis Cup nehmen. Dadurch, dass ich zwei Pferde habe, kann ich einem immer eine Pause gönnen, sobald es sie braucht oder manchmal eben auch bevor es sie „wirklich“ braucht.
- Das mag noch nicht die komplette Liste der Dinge sein, von denen ich glaube, dass sie meinen Pferden zu Langlebigkeit verholfen haben. Ich weiß, dass auch eine große Portion Glück dazugehört. So vieles kann schief gehen mit einem Pferd, wir haben nicht alles unter Kontrolle. Ich weiß, dass man alles richtig machen kann, und trotzdem geht etwas schief. Das kann manchmal frustrierend sein. Ich habe in all den Jahren viel durchgemacht mit meinen Pferden, und so weiß ich, dass alles bergab gehen kann, obwohl man die besten Vorsätze und die besten Tierärzte der Welt hat. Und andererseits haben wir alle schon Leute genug gesehen, die einen Haufen Blödsinn mit ihren Pferden anstellen, und diese Pferde blühen und gedeihen trotz ihrer Besitzer. Wir kennen unsere Pappenheimer! Ich sollte auch hinzufügen, dass ich nicht frei von Irrtümern bin oder immer alles richtig mache. Es ist immer einfacher, im Nachhinein zu beurteilen, was wir richtig oder falsch gemacht haben.