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E-Mail von Kalle

Kaum habe ich mich entschlossen, meinen Tierarzt öffentlich sinnieren zu lassen, tritt mein Kumpel Kalle auf den Plan. Den durfte ich als zwangstrossende schlechtere Hälfte seiner besseren kennen lernen, als wir gemeinsam mit Wassereimern, leeren Weichspülerflaschen, Apfelschnitzen und Pferdedecken bewaffnet am Trosspunkt herumlungerten.

Seitdem er der Aufforderung seiner Russischlehrerin an der Erweiterten Oberschule (von der er später geflogen ist), er solle sich den Mund mit Seife auswaschen, nicht gefolgt ist, hat Kalle sich um keinen Deut gebessert. Gerade motzte er sich mal wieder durch die Berliner Reiterszene und droht nun an, auch hier seinen Senf dazugeben zu wollen. Prost, Mahlzeit! – Hier kommt schon mal ein Vorgeschmack:

Betreff: Neulich in Neustadt
Von: „Kalle“ <Karsten.Lehmann69(komischeskleineszeichen)arcor.de>
Datum: Mon, 10 Mar 2008 15:54:22 +0100
An: <webmaster(komischeskleineszeichen)distanzreiten-berlin-brandenburg.de>

« Moin!

Wir waren am Samstag in Neustadt Dosse, bei der Vorführung von „Traumpferd – Pure Emotionen“ vom Wustrauer Reitgedöns „Zum Vehtränk“. Anfänger und Laienkram in Perfektion. Abgesehen von einigen Versuchen, die Veranstaltung „technisch“ aufzuwerten (Desmond O´ Brien) war das alles echter Müll.

Die erste Tante, die reinritt, hat völlig ohne Moderation begonnen. Zwei mal ne Acht, durch den Zirkel und wieder raus. Und nu? 600 Zuschauer (laut Presse) wundern sich. Als nächstes eine Ansage von Frau Beese, Erzählungen der Kinder usw., dann aber: Playback von CD. Am Player ein Volltrottel. Ständig ist die Musik zu Ende und die Nummer läuft noch. Das Kaltblut-Mix: die Härte, ca. eine Minute lang geht die Nummer des freien Laufens gut. Dann bemerkt das Pferdchen, dass es frei ist und haut ab. Wälzt sich, verarscht die vorführende Dame, haut wieder ab und - glaub’s oder nicht! - Musik alle, Pferd spackt rum, alles wundert sich … Zum Heulen!

Dann die Nummer: Steig, kleiner Hengst, steig! Der Typ am Zügel hat totalen Schiss vorm Pferd. Ich lach mich auf der Tribühne schlapp! Kleiner Hengst steigt auch – aber nicht so wie erwartet … Hätte bloß noch gefehlt, da der Typ loslässt und abhaut …!

Die Voltitruppe, ebenfalls die Ober- Lachnummer: Die Longen-Tante hat offenbar das erste Mal ein Pferd am Haken, verheddert sich nun ständig in der Peitsche – die sie weder benutzt, noch ordentlich festhalten kann. Ergo – hat das Pferd keine klare Ansage und bleibt ab und an stehen ... Dauerhaftes Gepurzel der Volti-Weiber. Fürchterliches Geturne. Nur Kraft, keine Bewegungskunst. Und hochgefährlich! Das Publikum, angewiesen auf keinen Fall zu klatschen, raunt des Öfteren … Krönung: Die Longen-Frau bekommt das Pferd beim Rausgehen nicht mehr unter Kontrolle und zwei Volti-Mädchen müssen zurückkommen, um ihr das Hotti abzunehmen … Brüll, lach, heul!“

Des weiteren Mikado-Spanier: Ohne Kommentar. Wer jemals auf einer Veranstaltung, ob Hippo oder Nordpferd, die „echten“ Männer – und nicht Frauen in Männerkleidung auf ner Amateurveranstaltung – gesehen hat, verlangt spätestens jetzt sein Geld zurück. Garrocha-Stangen-Gefummel oder was?
Dann schmeißt noch ein Shetty seinen viel zu großen Reiter ab. Hervorragend.
Die stämmige Hausfrauen-Truppe bot im Übrigen Flamenco, und nicht, wie in der Märkischen Allgemeinen zu lesen, Tango. (Die Kollegen von der Presse waren anscheinend schon vor der Pause weg ...)
Später zeigten die Wustrau Dream Housewifes auch noch Bauchtanz-Elemente. Einen Moment lang meinte ich, Cindy aus Marzahn erkannt zu haben ...

Pause: Zwei mäßig motivierte Verkaufshelferinnen, nennen wir sie mal Mandy und Sandy, präsentieren im härtesten (auswendig gelernten) Hellersdorf-Slang ein paar für Pferde zu kleine Standard-Friseusen-Sport-Utility-Vehicles. Grausam.

Erste Nummer nach der Pause: SÄRGE auf der Bühne!!! Vampir im Dustern, Phantom der Oper!. Echt ey, ich dachte, ich fall um!!!! Grottenschlecht, Musik mal wieder alle. - In der Presse steht: Von Kindern dargeboten. Aber mitnichten – das waren Erwachsene.

Dann der krönende Abschluss, worauf alle schon seit über zweieinhalb Stunden warten: HAKAN, der Feuerbändiger. Aber da – eine unerwartete Ansage: Das geht nicht, weil: Feuerwand 5 Meter hoch und, man höre und staune, die Neustädter Hallen sind anders als die bayerischen … ach nee, und wat nu? Einfach: KEINE Feuernummer. Vorsichtshalber erstmal gar kein Feuer. Für mich heißt das: Der Typ hats nicht drauf, hat keinen Ersatz im Paket, ist entweder ein Trottel oder ein Betrüger. Aber NEIN! Er hat doch eine Ersatznummer dabei! Er kommt rein auf dem Pferd, reitet eine Acht, noch eine, noch eine, noch eine, gähn-gähn, OK DA! Eine Traversale!!! Sensationelles Unterfangen auch ... Und reitet wieder raus. Bumms. Das wars auch schon.

Meine Ohren wurden geschont. Die Audio-Anlage übertrug nur auf den VIP Plätzen und auf der langen Geraden gegenüber. Und das Licht – offenbar von jungen Mädchen gesteuerte Verfolger-Spots – ließ ein Gefühl von Fliegerangriff aufkommen.

Ick dachte escht ick träume ... »


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letzte Aktualisierung 1. Juli 2010 mail Martin Grell ruft an! ring vom 9. August 2009