
Fünf deutsche Reiterinnen hatten sich für die Teilnahme an der Europameisterschaft der Jugendlichen und Jungen Reiter im Distanzreiten in Spanien qualifiziert. – Am Ende blieben drei Pferde verletzt zu Hause. Lediglich Veronika Grell mit Piove aus dem Stall von Sian Griffiths und Anna-Lena Weiershäuser mit Jaba machten sich auf den Weg ins ferne Oviedo.
Bereits bei der Streckenbesichtigung in den Tagen vor dem Rennen wurden den Reiterinnen und der Crew bewusst: Was den Pferden hier abverlangt wird, ist in keiner Weise vergleichbar mit heimischen Pisten, selbst nicht mit süddeutschen Schotterwegen. Über Steine und Geröll führte die 120 Kilometer lange Strecke, bestenfalls über Asphalt. Insgesamt 300 Höhenmeter waren mehrfach zu meistern, darunter einmal auf einer Streckenlänge von nicht mehr als drei Kilometern. Wer unter ähnlichen Bedingungen bereits trainieren konnte, wie die Reiter aus Spanien oder Frankreich, war hier klar im Vorteil.
Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und dichtem Nebel starteten am Morgen des 27. September die 62 Teilnehmer in die Dunkelheit. Sobald die Sonne aufgegangen war und der Nebel sich verzog, wurde es heiß, stiegen die Temperaturen rasch in hochsommerliche Bereiche.
Veronika Grell blieb anfangs auf Tuchfühlung mit der 20-köpfigen Spitzengruppe. Doch als ihr Pferd auf der zweiten Runde ein Eisen verlor und auf der Strecke neu beschlagen werden musste, kosteten die zwangsläufige Schrittphase und der Schmiedetermin so viel Zeit, dass Veronika sich entschloss, nur noch auf ein Ankommen zu reiten.
Das zweite deutsche Pferd Jaba konnte sich bereits im ersten Vet-Gate mit metabolischen Problemen nicht mehr weiterqualifizieren.
Von Anfang an setzten sich die französischen Reiter ganz hervorragend in Szene. Aber auch Teilnehmer aus Belgien und Spanien lagen stets mit an der Spitze. An dieser Konstellation änderte sich bis zum Schluss grundsätzlich nichts.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15.9 km/h holte sich die Französin Lucie Marin auf der neunjährigen Araberstute Lamiah el Oued den Europameistertitel. Auf Platz Zwei ritt ihre Landsmännin Andréa Pulicani mit der zwölfjährigen Spiga, der auch der Best Condition Award zuerkannt wurde. Platz drei erritt die Belgierin Selena de Wasseinge mit Kalah Grey vor der Spanierin Uma Mencia Uranga auf Kim Belle du Magny und der Norwegerin Victoria Gutbakken mit Ibn Ararat, die sich aus anfänglich 36. Position kontinuierlich nach vorn geschoben hatte und mit 23.8 km/h auf der letzten Runde beinahe so schnell wurde wie die Siegerin (24.1 km/h).
Während die zehn erstplatzierten Reiter ihre Pferde Runde um Runde schneller machten, wurden die übrigen Teilnehmer von Phase zu Phase langsamer, so auch Veronika Grell, die immerhin noch um Platz 29 finishte, aber verlor, weil Piove sich kurz vor der Ziellinie ein weiteres Eisen abtrat. Die Nachuntersuchung zerrte an den Nerven, denn das herumfliegende Eisen hatte Piove am Knie verletzt, zudem hatte man entschieden, ihn vorzustellen, ohne den Beschlag wieder aufzunageln. Doch Veronikas Mühen wurden belohnt: Piove trabte lahmfrei vor, und so konnten die neunzehnjährige Berlinerin und die gesamte deutsche Crew sich über einen 30. Platz bei dieser Europameisterschaft freuen.
Insgesamt beendeten 36 Starter das Rennen in der Wertung, was für einen so hochkarätigen Ritt und unter Anbetracht der extrem schweren Strecke ein ganz hervorragendes Ergebnis ist. Das spricht sowohl für die Qualität der eingesetzten Pferde als auch für das Niveau der jugendlichen Reiter.
Auch der Mannschaftssieg in diesem Wettkampf ging nach Frankreich vor Belgien und der Schweiz.
Miriam Lewin
in "Reiten und Zucht in Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt
(Langfassung folgt in der "Distanz aktuell")
| letzte Aktualisierung 1. Juli 2010 | Martin Grell ruft an! | vom 9. August 2009 |