
Nachdem ich mit meinen beiden Pferden dieses Jahr schon auf 8 Ritten viele wunderschöne Landschaften Deutschlands kennenlernen und genießen durfte, wollte ich als Abschluss der Saison am 18. Oktober mit meinem Haflinger noch ganz gemütlich die 1. Schäferhof-Distanz reiten. Gut sichtbaren Pfeilen folgend erreichte ich am Freitagnachmittag nach 250 km Fahrt die Paddockwiese, auf der es viel Platz und sogar noch ein wenig frisches Gras zum Abknabbern gab. Übrigens: das war meine kürzeste Anfahrt dieses Jahr überhaupt, da in Sachsen überhaupt kein Ritt mehr stattfand. Die meisten Veranstalter haben wohl inzwischen aufgegeben, sich mit den unendlichen Schikanen des Sachsenforsts auseinanderzusetzen und reiten lieber selbst, was ich aus eigener Erfahrung gut verstehen kann.
Sehr zu loben ist auf dem Schäferhof das gute und ausreichend zur Verfügung gestellte Heu. Wenn man 2 Pferde auf dem Anhänger hat und mit einem Pkw fährt, kann man kein Heu selbst mitnehmen, das wissen aber bei weitem nicht alle Veranstalter in Brandenburg.
Auf der Meldestelle musste ich erfahren, dass es nur 3 Starter für die 72 km gibt und die anderen beiden erstaunlicherweise keine Haflinger ritten. So bin ich noch mal tief in mich gegangen und konnte dann problemlos auf meinen Araber-Welsh umnennen, welcher eigentlich schon die Saison abgeschlossen hatte. Die Startunterlagen wurden in einem dicken A4-Briefumschlag überreicht und beim Auspacken war ich dann echt fasziniert: auf fast keinem Ritt habe ich bisher so gute Farbkarten (1:25000) mit fertig rot eingezeichneter Strecke bekommen. Die Krönung war ein zweiter Satz Karten in gleicher Qualität und Maßstab für die Trosser mit eingezeichneten und verbal beschriebenen Trosspunkten. Auch am nächsten Tag bestätigte sich mein erster Eindruck: es war einer der mit viel Liebe zum Detail am besten und sorgfältigsten organisierten Ritte.
Die Vorbesprechung fand im Aufenthaltsraum und Speisesaal des Schäferhofes in einem sehr schön sanierten alten Bauernhaus im ausgebauten Dachgeschoss statt. Bei den herbstlichen Außentemperaturen waren wir alle für die wohlige Wärme und das anschließende leckere Abendessen sehr dankbar. Auf ER und KDR waren jeweils ca. 15 bis 20 Teilnehmer, auf dem MDR waren wir nach einer kurzfristigen Absage nur noch zu zweit, wobei meine Mitreiterin erst am nächsten Morgen anreisen sollte ... Na hoffentlich muß ich da nicht alleine auf die Strecke, war mein Gedanke.Am Morgen nach sternenklarer Nacht sollte es ein wunderbarer Herbsttag werden, und auch meine Mitreiterin traf rechtzeitig ein. Auf ausgezeichnet markierter Strecke ging es auf der 1. Runde 26 km kreuz und quer und auf und ab durch die eiszeitliche Endmoräne rund um den kleinen Ravensberg. Da keine festen Markierungen an Bäumen angebracht werden durften, war gut sichtbar mit verschiedenfarbigen Flatterbändern nach einem Farbcode markiert worden. Markierungen waren an jedem Abzweig, auch wenn es geradeaus ging, und auch zur Aufmunterung und Bestätigung an geraden Steckenabschnitten. Dass die zahlreichen Wanderer, Jogger und Pilzsucher einige wenige Bänder entfernten, liegt leider in der Natur bestimmter Menschen. Mit der Karte war es aber überhaupt kein Problem die richtige Strecke zu finden. An Kontrollpunkten und Pausen gab es immer Wasser und als besonderes Highlight konnte man sogar in einen idyllisch gelegenen kleinen See bequem hineinreiten, um den Pferden die Beine zu kühlen. Die Runde hatte es durch das ständige Auf und Ab schon in sich, aber mit gut trainierten Pferden war es ein echter Reitgenuss!
Pause war komfortabel auf dem Schäferhof, und als zweite Runde ging es noch mal über 46 km entlang sonniger Feldwege, durch Wälder, aber auch durch einige kleine Siedlungen. Die Überquerungen aller größeren Straßen und das Durchreiten einer Baustelle mit Ampel waren stets durch Helfer vorbildlich abgesichert.
Meine Mitreiterin, welche sich durch diesen Ritt den Einzug in den Brandenburger Jugendkader sicherte, und ich hatten uns gut aufeinander eingestellt und die Pferde verstanden sich ebenfalls prächtig. Doch irgendwie kam uns die Strecke länger vor als sonst. Mag es vielleicht am Fellwechsel der Pferde gelegen haben oder an beginnender Erschöpfung und Hunger, wir ritten ewig durch Wälder, am Vet-Check vorbei, zwischen Feldern und an Rändern mehrerer großer Wälder entlang, wir ritten und ritten, sogar schneller als bei der ersten Runde und bauten längere Galoppstrecken ein, aber die letzte Pause ließ immer noch auf sich warten ... Endlich – nachdem uns Helfer sicher über eine Straße geleitet hatten – sahen wir auf sonniger Wiese ein Auto stehen – das musste die lang ersehnte Pause sein! Sie war es! Pferde und Reiter freuten sich. Den letzten Teil der Strecke bei schon recht tief stehender Sonne legten wir wieder unbeschwerter zurück.
Im Ziel wurden wir ganz herzlich von den vielen Helfern, Reitern, den Tierärzten, Veranstaltern und dem Landestrainer begrüßt. Es war ein wunderbares Gefühl, Hand in Hand ins Ziel zu traben, nach einem wunderschönen, harmonischen und anstrengenden Ritt. Die Siegerehrung mit vielen schönen Preisen und Gutscheinen fand ohne Verzögerung in der goldenen Abendsonne statt.
Da ich erst Sonntag zurückfuhr, konnte ich einen gemütlichen Abend im warmen Aufenthaltsraum gemeinsam mit dem Organisations-Team verbringen und über den schönen Ritt sowie über die eine oder andere Anregung für die 2. Schäferhof-Distanz sprechen.
Die Auflösung des Rätsels der ziemlich langen Reitzeit gab es dann am Sonntagabend: auf der Karte habe ich 49 km für die zweite Runde gemessen. Das ist zwar nicht viel mehr, aber ich habe bemerkt, dass wohl einige andere Ritte in Wirklichkeit kürzer sind als angegeben. So ergab sich subjektiv der Eindruck einer längeren Strecke.
Schäferhof ist auf jeden Fall ein sehr schöner und empfehlenswerter, anspruchsvoller, dafür lohnender Ritt.
Rico Müller
| letzte Aktualisierung 1. Juli 2010 | Martin Grell ruft an! | vom 9. August 2009 |